Schattenkreuz

Schattenkreuz

Schattenkreuz
 

21/15 cm, 316 Seiten
44 sfr / 25 €
ISBN 3 85252 402 4
Ersterscheinung 2001

INHALT

Dieser Roman führt ebenfalls ins Dachsteingebirge und ist dem Milieu der Wilderer gewidmet, basierend auf einer realen Begebenheit im Jahre 1931, vor dem Hintergrund der Ersten Republik. Der Wildschütze Anton Dorwald ist leidenschaftlicher als alle anderen, ein Besessener. Er strebt nach Selbstverwirklichung. Ein junger Rebell, der den Traum hegt, zum Mythos zu werden. Er wird ebenso geliebt wie gehasst. Ein Mann, der sich jenseits des Gesetzes bewegt und sein Leben der verbotenen Jagd widmet. Der Todesschuss auf einen jungen Jäger stellt Dorwald unter Mordverdacht. Eine schicksalhafte Wende. Jetzt beginnt die Hetzjagd auf ihn.

LESEPROBE

Noch schwieg der Tag am Dachstein, als Dorwald bereits unterwegs war. Jeder Frühmorgenlaut, der im Wald erwachte, erschien ihm wie ein vertrauter Gesang. Aufmerksam wie ein Raubtier, leise wie eine Wildkatze, schlich er durch das weitläufige Kar und über Geröllriesen, von Sehnsucht und heißer Lust getrieben, den Stutzen fest von seiner Hand umklammert, schussbereit, wohl wissend, dass er für plötzlich auftauchendes Hochwild die Quelle des Todes bedeuten würde. Wie von einer Übermacht berauscht, fühlte sich Dorwald mit dem Geist der Natur, dieser Wälder und der Gebirgslandschaft vereint. Er schmiegte sich unauffällig an das schroffe, felsige, waldreiche Gelände, wiegte sich gleichzeitig selig wie ein Falter, lauschte im Morgenwind, atmete die frische Gebirgsluft und war ständig auf der Lauer, um sofort jeden Laut und jede Bewegung im Morgengrauen zu orten, zu erkennen und darauf zu reagieren, sei es auf das Wild oder auf den Jäger bezogen. Für Dorwald hieß das zweifache Aufmerksamkeit, aber auch Geduld und Kondition. Doch fühlte er sich stark genug, notfalls beiden gleichzeitig begegnen zu können. Er war sich ganz sicher, dass seine volle Kraft, seine Gewandtheit und sein Spürsinn wiedergekehrt waren. Das Gefühl von Überlegenheit und Unbezwingbarkeit übermannte ihn. Dorwald empfand diese Augenblicke wie ein Wunder. So drang er mehr und mehr an diesem Montagmorgen in den Lebensraum des Wildes ein. Der Wind, der Nordwind, blies ihm ins Gesicht. Idealwind, dünkte es ihm, als er, nach Durchquerung von sehr grobem Gelände erste Äsungsflächen ausnahm und sich von Minute zu Minute das Schusslicht verbesserte. Dorwald erkannte späte Hochwildfährten, die kurz vor ihm getreten worden waren. Der abgestreifte Tau hatte dunkle Streifen im Gras stehen gelassen.

[ aus dem Roman SCHATTENKREUZ von Peter Gruber ]

LESER-STIMMEN

Das Psychogramm eines Wilderers. Traditionell im besten Sinne erzählt Peter Gruber in seinen Romanen das Schicksal von außergewöhnlichen Männern. Nehmen wir den Wilderer Dorwald im „Schattenkreuz“: Aus Gerichtsakten und Zeitungsberichten hat Gruber ein plastisch greifbares Bild des August Dormann geschildert, jenes Wilderers, der im Kemetgebirge den Jäger Johann Höflechner erschossen hat – aus Notwehr, Zufall, Absicht? Dies war Gegenstand des damals unter großem Aufsehen in Gröbming und Leoben abgewickelten Strafprozesses. Äußerst sorgfältig recherchiert und ohne Schwarz-Weiß-Malerei breitet Gruber neben allen zeithistorischen Gegebenheiten die Seelenlandschaft der Hauptgestalt aus. Für mich erscheint wesentlich, dass er den im Roman Dorwald genannten Wildschützen weder als Helden noch als verabscheuungswürdigen Verbrecher darstellt. Die facettenreiche Zeichnung mit Querverbindungen zum politischen, wirtschaftlichen und privaten Umfeld zeichnet den Roman aus.

Jagdgründe / Dr. Josef Hasitschka / Verein Schloss Trautenfels 2005

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Über das wunderbare Buch habe ich mich sehr gefreut. Ich habe bereits gelesen in dem Buch. Der gute Herr Gruber dürfte bestens recherchiert haben. Interessant auch die Beschreibung der Zwischenkriegszeit mit ihrer Armut und Problematik der Bauern. Gefällt mir gut. Haben Sie besten Dank. Bin froh, dass Sie mich auf dieses Buch hingewiesen haben.

Dr. Roland Girtler (Brief an Hr. Strohofler) / 18. Jänner 2003

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Herzliche Gratulation, lieber Peter, zu Deinem Buch „Schattenkreuz“. Ist Dir wohl ein intensiver & spannender Bogen gelungen! Obwohl Du keinen dokumentarischen Roman geschrieben & die Namen der Protagonisten modifiziert hast, merkt man der inhaltlichen Substanz die gründliche Recherche an. Auch wenn die Figuren durch die Literarisierung & den gekonnten Spannungsaufbau etwas Unwirkliches bekommen, scheinen sie mir doch noch genügend in der Realität (der 30er-Jahre) verankert, dass sie nicht ins Unbestimmte & Unverbindliche abheben.

Bodo Hell (Brief an Peter Gruber) / 25. Oktober 2001

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Mystische Schattenspiele in einer verwilderten Zeit. Ein Jäger-Mord, der in den 30er-Jahren ganz Österreich aufwühlte, dient als Grundlage für den neuen Roman „Schattenkreuz“ von Peter Gruber. Im Heimathaus erzählt er von seinem „Schattenkreuz“, dessen Titel es in Wahrheit gar nicht gibt – weil es ein Schattenkreuz nicht gibt. Aber jene Schatten, die das Kreuz seiner Geschichte wirft, gab es wirklich. Praktisch alle Zeitungen des Landes berichteten von dem aufsehenerregenden Gerichtsprozess, eigene Korrespondenten wurden ins Ennstal geschickt und viel Gemauschel gibt es bis heute noch, wer diesen Jäger-Mord zu verantworten hatte. „Meine Geschichte ist kein exaktes Dokument aus dieser Zeit, weil mir als Autor natürlich die Erzählung wichtig ist. Und die dreht sich um die Entwicklung des Wilderers, seine Besessenheit und sein Leben als Freigeist“, erklärt Gruber, während er die vielen Zeitungsausschnitte in seiner Mappe durchblättert. Dennoch ist die wahre Geschichte mit dem Roman eng verknüpft. Die politischen Entwicklungen und die kräftig spürbaren Wurzeln des kommenden Nationalsozialismus sind ebenso Teil des Romanes, wie die Beleuchtung des Wilderertums in all seinen Facetten. Als Heldenmythos, Gratwanderung zwischen Sinnlichkeit und Gesetzesbruch und als Hetzjagd, die auch jenem Wilderer widerfährt, den Gruber in die Mitte seiner Erzählung stellt.

Kleine Zeitung / Barbara Haas / 7. Oktober 2001

HÖRPROBE

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