Notgasse

Notgasse

Notgasse
 

publication PN°1
Bibliothek der Provinz
21/15 cm, 322 Seiten
44 sfr / 25 €
ISBN 3 85252 196 3
Ersterscheinung 1998
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INHALT

Peter Gruber erzählt von Höhepunkten und Katastrophen im Leben von vier Brüdern, den Söhnen des Bauern von Gundagrin. Hintergrund sind die spätmittelalterliche Hochblütezeit der Almwirtschaft auf den Dachstein-Almen, die Lehre Luthers, die Reformation und der Aufstand der Bauern im Jahre 1525. Die „Notgasse“ ist eine reale, schmale Schlucht, nur für Fußgänger begehbar. Wahrscheinlich war sie früher ein Weg für Almleute, Schmuggler, Säumer. Heute gilt der Ort als eine bedeutende Felsritzbild-Station in den Alpen. Die „Notgasse“ wird im Roman zum zentralen Ort verschiedener Ereignisse. „Notgasse“ steht aber auch symbolisch für die beschriebene Epoche.

LESEPROBE

Der Ruf zum Almauftrieb verbreitete auf den Höfen Gundagrin, Tangel, Bergler und Khlem allgemein Freude. Solange sich die Bauern zurückerinnern konnten, wurde das ganze Jahr über nichts genauer und ernster genommen, als sich gewissenhaft für den alljährlichen Almauftrieb vorzubereiten. Noch also dominierte beim Bauernvolk der Urtrieb, der sich nicht von der revolutionären Stimmung, die so unabwendbar nahe gerückt war, beirren ließ. Es war, als ob die unsichtbare Kraft der Almen verhieß, dass die Bauern doch besser zu ihrem Vieh und auf ihre Melkstühle passten als, mit Gabeln und Sensen bewaffnet, zu einem Bauernaufstand. Der Mond stand günstig. Er nahm zu. Das war ein Zeichen, auf das die Bauern bei der Wahl des Auftriebstages nicht verzichten wollten. Auch das Wetter meinte es gut mit ihnen. Dass sie sich nicht nach dem Namenstag eines Heiligen orientierten, machte ihnen in diesem Jahr weniger zu schaffen. Nur einige ältere Leute äußerten sich dazu kritisch. Doch für Jüngere waren die Heiligen in der Zwischenzeit zu einem belächelten Abbild ihrer gehassten Kirche verkommen. In der Nacht vor dem Auftrieb wurde in jedem Hof die Glocke der Läutkuh auf die häuslichen Feuerstätten gestellt, in der Meinung, dass sie dadurch einen besonders schönen Klang bekomme. Dem Vieh wurden Salzsteine in die Futtertröge gelegt. Manche Tiere bekamen ein Stück Brot mit Salz ins Maul gesteckt. Salz galt als Abwehrmittel gegen Unheil während des Almsommers. Natürlich vergaßen die Sennerinnen auch nicht, das Weihscheit ins Bündel zu stecken, damit sich nicht Übles und Böses während ihrer Almzeit ereigne.

[aus dem Roman NOTGASSE von Peter Gruber]

LESER-STIMMEN

Zeitreise in die Eisfestung. Ein historischer Roman erobert die Herzen der Einheimischen und Gäste am Dachstein. Wenn Buchautor Peter Gruber im historischen Roman „Notgasse“ seine steirische Heimat am Fuße des Dachsteingebirges mit den Augen des Jungbauern David beschreibt, dann tut er dies mit so viel Kraft und Liebe zum Detail, dass der Leser unwillkürlich in die turbulente Geschichte zur Zeit der Bauernaufstände des 16. Jahrhunderts mitgerissen wird. Um die sagenhafte „Notgasse“ rankt sich Grubers spannender Roman, der dem Leser auch ganz nebenbei die Augen für die Schätze der Natur öffnet: Vom leuchtenden „Gold der Lärchen“, schreibt der Bergbauern-Sohn, „das im Herbst von den Bäumen rieselt“ und den Waldboden zudeckt. Und an anderer Stelle vom dramatisch „glühenden Herbstlicht, das durch Risse in den rabenschwarzen, winterträchtigen Wolken das Dachsteingebirge blutrot färbt“. Vielleicht hat man auch die Gelegenheit, Peter Grubers „Notgasse“ Seite für Seite beim Schein einer Öllampe auf einer winterlichen Almhütte irgendwo in der Märchen-Bergwelt unserer Alpen zu „durchwandern“. Dann tut sich selbst für einen flüchtigen (aber vielleicht umso aufmerksameren) Feriengast ein Tor in die Vergangenheit auf, durch das auch die heutige, touristisch so erschlossene Region in kürzester Zeit wieder einen persönlichen, beinahe schon intimen Charakter bekommt.

Kronenzeitung / Tobias Micke / 11. Dezember 1999

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Von Not, Verzweiflung, Aufbegehren und Tod. Steiermärker schrieb einen Roman über den Bauernaufstand von 1525. Nicht Erinnerungen der Art „Als ich noch der Waldbauernbub war“. Kein zweiter Rosegger ist aus der Steiermark zu vermelden; wohl aber ein Mann, der sich der Materie, über die er hier schreibt, nach genauen Recherchen über Zeit und Umstände des gewählten Themas annimmt. Es geht um den Bauernaufstand, der den steirischen Bereich südlich des Dachsteins für einige Monate in den Mittelpunkt der Geschehnisse im Reich der Habsburger, des Kirchenadels rücken sollte. Darüber schreibt Gruber in Form eines „klassischen“ Heimatromans mit allen Ingredienzien einer Familien-Saga, inbegriffen Leidenschaft, Eifersucht und Mord. Aber in einer klaren Sprache, ohne Schwülstigkeit – und mit sehr viel Vermittlung von Lokalkolorit und Sozialgeschichte.

OÖ Nachrichten / Reinhold Tauber / 2. Dezember 1998

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Laudatio. Peter Grubers erster Roman „Notgasse“ führt den Leser in die Geschehnisse der Jahre 1523 bis 1525: Bauernaufstand und Reformation. Menschen, wie sie uns aus Akten mit dürren Daten und als bloße Namen überliefert sind, erweckt er zum Leben. Er macht sie zu handelnden Personen und gibt ihnen Charakter. Den beiden feindlichen Brüdern von Gundagrin, deren einer Rebell aus Zurücksetzung, der andere ein Held wider Willen wird. Im alten Khlem tritt uns der weise Mann entgegen, abwägend in seinem Urteil, der doch mitgerissen wird von den Wirbelstürmen der Zeit. Da ist Barbara, die junge Frau und werdende Mutter, die sich für tiefe Demütigung rächt und damit selbst schuldig wird. Mit großer Sachkenntnis beschreibt Peter Gruber das Almleben, das ein Synonym für die größere Freiheit ist, die auch das Ziel des Bauernkrieges war. Die „Notgasse“ ist die reale Felsenschlucht und der unheimliche Ort, an dem dämonische Kräfte walten, aber der Titel soll auch eine Metapher sein für Leid, Schuld und deren Überwindung. „Notgasse“ ist der Roman der Heimat Peter Grubers, die er herzlich liebt und die ihn in ihren Armen hält.

Univ.-Prof. Dr. Günter Cerwinka, Graz / 7. August 1998

HÖRPROBE

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