Bewimpertes und Rostblättriges

BEWIMPERTES UND
ROSTBLÄTTRIGES

Das Gebirge ǀ Die Alm
Die Täler ǀ Die Heimat
21/15 cm, 306 Seiten
€ 25 (Privat-Edition)
ISBN 978-3-200-06477-5
Neuerscheinung 2019

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INHALT

Bewimpertes und Rostblättriges. Zwei Bezeichnungen, die sich von der Königin der Alpenblumen ableiten, von der Alpenrose. Es gibt zwei Arten davon. Die eine, die häufig in den Kalkgebieten anzutreffen ist, deren Blätter beiderseitig grün und Ränder zart bewimpert sind, nördlich des Steirischen Ennstals im Dachsteinmassiv. Die andere, die auf silikatreichen Böden beheimatet ist, benannt nach den rostfarbenen, bräunlichen Unterseiten ihrer Blätter, südlich der Enns in den Tauern. Es gibt Überwanderer, was den natürlichen geologischen Gegebenheiten, zusehends aber auch klimatischen Einflüssen geschuldet ist. Bewimpertes und Rostblättriges gilt ebenso für das literarische Spektrum dieses Kompendiums, jedenfalls symbolischer Natur. Als Überwanderer sieht sich auch Peter Gruber selbst, zwischen seinen Aktionsräumen und Lebenswelten und was die literarischen Formen betrifft. Dieses Buch ist eine Sammlung von Erzählungen, Essays, Märchen, Almtagebuch-Auszügen, historischen Hinterfragungen und Mundart-Charivaris. Entstanden in den Jahren 1999 bis 2019. Eine Lektüre, die ein besonders anschauliches Lesevergnügen verspricht. Erinnerungswerte Momentaufnahmen aus zwei Jahrzehnten. Bevor sie verloren gehen, festgeschrieben in diesem Lesebuch.

LESEPROBE

Ist das denn mein Steig? Notizen nach einem Alleingang durch die Wildnis. Ein Experiment. Die Querung von der Wiesalm zum Heilbronner Kreuz in der Direkten. Ein Versuch. Eine Route, vor der selbst Bergerfahrene zurückweichen: Da verfranzt du dich zwischen Gebirgsfalten und Latschenriegel, dass es ärger nicht ginge! Du gerätst in unbegehbare Kare, von denen es keinen Ausweg zu geben scheint! Schon gar nicht sollte man in dieser Elendsgegend allein unterwegs sein! Steige. Das sind Wege, die von Alm zu Alm führen. Am östlichen Dachsteinplateau. Im Kemetgebirge, dem baumreichen Teil des Gebirges. Am Stein, der Karstschönheit zwischen Waldgrenze und Gletscher. Viehwege, Schafsteige, Hirtenpfade, Jägerstiege. Einige mit halbwegs guter Markierung, andere vom Zwergsträucher-Wildwuchs verdeckt und unauffindbar. Steige, die sehr alt sind. Über Stock und Stein und Strauch führend. Um Kare, Kessel, Höcker herum. In Weidemulden und auf Äsungen. Bergauf und bergab. Durch Wälder. Über Almen. Nur für den Tritt von Menschen und Tieren geeignet, nicht für Fuhrwerke, nicht einmal für die einfachsten ihrer Art, auch nicht für geländegängige Fahrräder. Steige mit reizvoll klingenden Namen: Rotlackensteig, Hochtischlsteig, 73er-Steig, Gratlackensteig, Finetsteig, Königreicher Umadumwegerl. Steige. Zugänge ins Dachsteingebirge. Abseits von Kletter-Routen und Ausflugs-Sehenswürdigkeiten. Ein vielfältiges Gebirge. Der Dachstein bietet auch steigloses, mehr oder weniger nutzloses Gelände. In allen Bereichen des sich über drei Länder ausdehnenden Gebirgsstocks gibt es sie. Wildnisabschnitte, die sogar im Zeitalter von Satelliten-Navigation unberührt geblieben sind. Und wenn schon einmal eine menschliche Seele darin herumirrt, ist dies vielleicht kaum nennenswert. Denke ich mir jedenfalls immer wieder, wenn ich derartige Abschnitte von fernen Anhöhen aus betrachte und damit liebäugle, dort oder da eigenmächtig Schritte zu setzen.

[ aus „Bewimpertes und Rostblättriges“ von Peter Gruber ]

LESERSTIMMEN

Peter Gruber bezeichnet sich selbst als „Geschichtenerzähler und Alpenhirt“. Er hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mehrere gewichtige und umfassende Publikationen vorgelegt. In seinem neuesten Werk “Bewimpertes und Rostblättriges“ erweist er sich auch als „Meister der kleinen Form“, der virtuos mit Sprache umgehen kann – sei es das Hochdeutsche oder der Dialekt seiner Heimat. Mit Texten, die im Laufe von 20 Jahren entstanden sind, beleuchtet er in seinem aktuellen Werk die Dachsteinregion aus immer wieder neuen Blickwinkeln. Dabei erweist sich Peter Gruber als unbestechlicher Beobachter. Er beschreibt viele Entwicklungen und Veränderungen, von der aktuellen Klimadebatte über GPS-Wanderer und den Wandel der Tier- und Pflanzen-Welt bis hin zum Over-Tourismus und zum Volksrock’n’roll. Auf diese Weise wird Peter Gruber auch zum „Chronisten“ seiner Heimat.

Professor Dr. Christhard Schrenk, Stadtarchiv Heilbronn / 11. November 2019

Welche Fülle an Themen, Motiven, Geschichten, Wissenswertem, Märchen- und Legendenhaftem, welch erhellende Geschichten und Fakten über Landschaften, Tiere, Menschen, Jahreszeiten, Gebäude usw. Und wenn ich in diesem großartigen Buch blättere und lese, fühle ich mich in meine Kindheit versetzt, in der ich mit den Kühen gesprochen und auf den Stufen eines Troadkastens gesessen bin und dem Bauern oder einem der Söhne beim Dengeln der Sensen zugeschaut und zugehört hab, in der ich mit meiner Mutter und meinem Bruder zum Almrauschpflücken hinauf in die Berge gegangen bin, einfach vom Sturmhof weiter durch die Wälder hinauf bis zu den rotleuchtenden Almhängen, latschendurchsetzt, und später, viel zu früh, ein Sträußchen davon auf ihr Grab gelegt hab, oder, oder, und, und, und … Es ist eine wunderschöne, so beruhigende Abendlektüre, besonders, wenn man an irgendwelchen Problemen herumdenkt und sie nicht lösen kann und dann zu deinen Erzählungen greift und in eine andere Welt versetzt wird.

Dr. Brita Steinwendtner, Autorin & Ex-Leiterin Rauriser Litearturtage / 1. November 2019

Peter Gruber gelingt es, dass man als Leserin oder Leser nicht wie ein Zaungast das Leben seiner Handlungsträger beobachtet, sondern in das Leben dieser Charaktere eintaucht, mit ihnen lebt […] Die beiden Alpenrosen – die bewimperte aber vor allem die rostblättrige – könnte man als Symbol seines Lebens und seines Schaffens ansehen. Dort, wo diese Alpenrose blüht, verbringt der – selbst ernannte „dichtende Rinderhirte“ – seit mehr als 20 Jahren den Sommer. Oft nimmt er nämlich mit historischem Edelrost überzogene Geschichten für sich in Anspruch, um diese dann, im neuen und schönen Kleid, edel, anmutig, malerisch und mit dem richtigen Pathos zum Blühen zu bringen – wie die rostblättrige Alpenrose eben […] Und da sind wir bei dem, was mich, so denk ich, mit dem Autor auf entscheidende Weise verbindet und eint: Dass wir Natur als einen Ort definieren, an dem meditative Einkehr in sich selbst, Ruhe und das In-sich-hinein-hören oberste Priorität haben. Die Natur so anzunehmen, wie sie ist und ihr gerne anzugehören. Wir als Menschen ganz allein, so wie wir sind, sind in ihr schon Fremdwesen genug – alles weitere braucht es da auf keinen Fall mehr […] Diese und viele andere Botschaften darf man immer wieder an den Texten von Peter Gruber und auch in diesem Buch durchs Lesen Lernen.

Bernhard Wohlfahrter, Filmemacher & Spielleiter „Die Hochzeit“ in Öblarn / September 2019

Meine Lieblingstexte sind der von der Sonnenfinsternis und der vom Lass’ln. Zur Sonnenfinsternis verbinde ich selber besondere Erlebnisse, und es ist reizvoll vor diesem Hintergrund deinen Erlebnistext zu lesen. Es zeigt auch, wie klein wir in solch einem (über?)natürlichen Ereignisrad werden – kleine Beobachter, die einfach nur staunen können. Und das Lass’ln ist schön, weil es von Übersinnlichem handelt und dabei so schön menschelt. Herrliches Menschen-Theater […] So wird es vielen der Leser und Leserinnen ergehen. Manche werden akribisch von vorne bis hinten das Buch durchlesen und sich dicht an die Fersen des Peter Gruber heften, andere quer drüberlesen, das eine oder andere aufpicken – und jeder wird seine besonderen Texte darin entdecken.

Herbert Reiter, Rauris-Literaturförderpreisträger / September 2019

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